Leserbrief zum Bericht: „Kinder müssen bis Montag weg“

Ein Sprecher im Flüchtlingsrat NRW im Leserbrief an einen Beitrag der Rheinischen Post


Dr. Michael Stoffels
Sprecher im Flüchtlingsrat NRW
Bullmannaue 11
45327 Essen

12.07.2002

An die
Rheinische Post
Düsseldorfer Stadtpost
Fax: 0211/505 2575

Leserbrief zu Ihrem Bericht: „Kinder müssen bis Montag weg“ vom 11.7.02 (Düsseldorfer Stadtpost)

Man mag es kaum glauben: Das Menschenrechtszentrum in Belgrad berichtet, dass aus Deutschland zurückkehrende Roma in Slums leben müssten, in notdürftig zusammengebaute Buden ohne Wasser und Elektrizität, ohne Heizung und sanitäre Anlagen, dass ihnen faktisch keine Arbeitsmöglichkeiten eingeräumt würden und der notdürftigste Lebensunterhalt ebensowenig gesichert sei wie eine geregelte medizinische Versorgung, von gängiger Diskriminierung einmal ganz abgesehen. Und da diffamiert ein Kommentator Ihrer Zeitung allen Ernstes die Organisatoren des Düsseldorfer Protestlagers der Roma als „clevere Roma-Strategen“, die „das Elend frierender Kinder in feuchtkalten Zelten“ für ihre offenbar zweifelhaften politischen Ziele ausnutzten. Ist dem Kommentator eigentlich klar, dass alles das was die Roma-Kinder in Jugoslawien erwartet ungleich schlimmer ist als das Leben hier im Zelt? Weiß der Kommentator nicht, dass es sich bei den Roma-Kindern faktisch um deutsche Kinder aus Familien handelt, die hier durchweg seit mehr als zehn Jahren leben, dass diese Kinder vielleicht Düsseldorfer Platt, aber sicher kaum serbokroatisch sprechen können? Wer ­ so darf ich fragen ­ handelt denn wohl gegenüber diesen Kindern verantwortungslos? Die deutschen Politiker und Behörden, die diese Kinder ins Elend abschieben wollen, oder jene, die alles versuchen, dies zu verhindern?

gez. Dr. Michael Stoffels