Veröffentlicht am 20.11.2025

Offener Brief# DasIstKeineSchule

Gemeinsam mit 80 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Initiativen haben wir in einem offenen Brief die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Katharina Günther-Wünsch, dazu aufgefordert, die bereits eingeführten Segregationsschulen in Berlin zu beenden und keine weiteren zu eröffnen. Wir fordern eine gemeinsame Schule für alle – Integration statt Separation, von Anfang an.

Hier als pdf: 2025_11_13 OffenerBrief_#DasIstKeineSchule

 

Offener Brief #DasIstKeineSchule

Keine Segregationsschule für geflüchtete Kinder in Berlin – gleiche Bildungschancen und eine Schule für alle!

Berlin, 20.11.2025

Sehr geehrte Frau Senatorin Katharina Günther-Wünsch,

anlässlich des Internationalen Tags der Kinderrechte am 20. November appellieren wir an Sie, die Pläne für weitere Segregationsschulstandorte in oder an Geflüchtetenunterkünften sofort zu stoppen und alle Kinder in Regelschulen einzuschulen! Ihre Pläne für weitere Segregationsschulen verhindern Teilhabe und Integration und gefährden die Bildungschancen und die psychische Gesundheit geflüchteter Kinder und Jugendlicher nachhaltig. Was ursprünglich als Notlösung gedacht war, darf nicht zur neuen Normalität werden!

Bereits jetzt werden hunderte geflüchtete Kinder und Jugendliche nicht in Regelschulen unterrichtet, sondern in Geflüchtetenunterkünften – an Filialstandorten, die formal an eine Schule angebunden sind, faktisch jedoch isoliert bleiben.
Diese Praxis stellt eine deutliche Diskriminierung geflüchteter Kinder und Jugendlicher dar. Sie haben keinen Kontakt zu Gleichaltrigen außerhalb der Unterkunft. Ihre Teilhabe ist stark eingeschränkt. Die Isolation gefährdet ihre psychische Gesundheit, eine Normalität des Schulalltags kann so nicht entstehen. Besonders für die große Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Traumafolgestörungen ist eine isolierte Beschulung innerhalb von Großunterkünften hochgradig belastend. Zahlreiche Studien zeigen außerdem: Der Spracherwerb geflüchteter Kinder wird am besten durch ein Umfeld mit vielfältigen Kontakten zur neuen Sprache gefördert. Nur durch gemeinsame Beschulung in Regelschulen können Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung sprachlich gefördert, sozial integriert und auch psychisch stabilisiert werden.

Rechtlich stehen die Pläne des Landes Berlin im Widerspruch zu internationalen, europäischen und nationalen Regelungen. Die UN-Kinderechtskonvention (Art. 28), der UN-Sozialpakt (Art. 13), die EU Grundrechte Charta (Art. 14) sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Art. 26) etablieren, dass das Recht auf Bildung ein Grundrecht für alle ist. Die ab Juni 2026 geltende EU-Aufnahmerichtlinie 2024/1346 (Art. 16) verpflichtet die Mitgliedstaaten ausdrücklich, geflüchteten Kindern den gleichberechtigten Zugang zum öffentlichen Bildungssystem „unter den gleichen Bedingungen wie für Staatsangehörige“ zu sichern. Auch das Berliner Schulgesetz und der Leitfaden zur Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen sehen keine schulische Segregation vor. Vielmehr garantieren § 41 und § 42 SchulG allen Kindern unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus den gleichen Anspruch auf Schulbesuch. § 4 SchulG verpflichtet Schulen zudem ausdrücklich, Schüler*innen vor Diskriminierung zu schützen. Eine Segregationsschule widerspricht daher dem Grundprinzip „Integration statt Separation“ und unterläuft den Bildungs- und Integrationsauftrag der Berliner Schule.

Wir fordern:

• Keine Segregationsschulen in Berlin! Kein Kind darf aus dem öffentlichen Schulsystem ausgegrenzt werden.
• Eine gemeinsame Schule für alle: Integration statt Separation – von Anfang an!

Alle Kinder in Berlin – unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus – haben ein Recht auf Bildung und auf faire Chancen. Dieses Recht darf nicht durch politische Entscheidungen untergraben werden.

Erstunterzeichner*innen:

Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Geflüchtete und Migrant*innen (BBZ)
Berliner Netzwerk für besonders schutzbedürftige geflüchtete Menschen (BNS)
Flüchtlingsrat Berlin e.V.
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) BERLIN
Migrationsrat Berlin e.V.
XENION – Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V.

Weitere Unterzeichner*innen

ADAS – Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen/ LIFE e.V.n
Amaro Drom e.V.
Amaro Foro e.V.
Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin (ADNB) des Türkischen Bund Berlin-Brandenburg e.V.
ARIBA e.V.
Asyl in der Kirche Berlin-Brandenburg
AWO Landesverband Berlin e.V.
Babel e. V.
BAfF e. V. Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e. V.
Beirat für Partizipation und Integration Tempelhof-Schöneberg
Berliner Bündnis für schulische Inklusion
Bezirksbeirat für die Integration und Partizipation Pankow
BIPoC Ukraine and friends
Bundes Roma Verband e.V.
Bundesfachverband Minderjährigkeit und Flucht (BuMF) e.V.
Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) e.V.
B-Yali 224 e.V.
Club Dialog e.V.
Cura Vormundschaftsverein – Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Deutsch-Afghanische FreundschaftsGesellschaft Baaham e.V
Each One Teach One (EOTO) e.V.
Eltern beraten Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung e.V.
Eltern gegen Rechts
Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben (GIZ) gGmbH
Gesellschaft für Urbane Wirtschaft, Beschäftigung und Integration (GUWBI) e.V.
Give Something Back to Berlin e.V.
GLADT e.V.
GRIPS theater
InterAktiv e.V.
Jugendliche ohne Grenzen
KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen! Institut KINDERWELTEN e.V.
KidsCourage – für Kinderrechte
Kinder lernen Leben gGmbH
KJHV/KJSH-Stiftung
Komitee zur Unterstützung der politischen Gefangenen im Iran-Berlin e.V.
Kompaxx e.V.
Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant_innen (KuB) e.V.
Korea-Verband e.V.
korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V.
Kurdisches Zentrum e.V.
Lautwerden für Bildung
Linksfraktion BVV-Mitte
MeG Betreutes Wohnen gGmbH
Migrationsbeirat Reinickendorf
Mini Bande gUG
Moabit hilft e.V.
Moabiter Ratschlag e.V.
OPRA Psychologische Beratung für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt
Partizipation und Integration Beirat Berlin Mitte
Paul Gerhardt Werk Berlin
Polnischer Sozialrat e.V.
Power Me
Projekt ElternStärken
RAA Berlin e.V.
Reachout Berlin – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus und Rassismus
Roma Center e.V./ Roma Antidiscrimination Network
RomaTrial e.V.
Salam e.V.
Schöneberg hilft e.V.
Schule muss anders
Schwulenberatung Berlin gGmbH
Sprungbrett Zukunft Berlin e.V.
Terre des Hommes Deutschland e.V.
Trialog Jugendhilfe gGmbH
T-SAGIF (Tempelhof-Schöneberger Arbeitsgemeinschaft der Immigrant-Innen- und Flüchtlingsprojekte)
Türkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB)
VEREIN DER ELTERN AUS KURDISTAN IN DEUTSCHLAND – YEKMAL e.V.
Verein iranischer Flüchtlinge in Berlin e.V.
Verein zur Förderung der interkulturellen Jugendarbeit e.V. S27
Willkommensbündnis für geflüchtete Menschen in Steglitz-Zehlendorf
Willkommensbündnis Hasenheide
With Wings and Roots e.V.
YAAR e.V.
Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH




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