Vater: Abschiebung nach 27 Jahren in Deutschland

Keine Gnade für vierfachen Familienvater aus Algerien? – Pressemitteilung vom 21. Februar 2012


Murad D. aus Algerien (57 Jahre) ist seit dem 4. Januar 2012 in der Abschiebungshaft Berlin inhaftiert. Nach 27 Jahren in Deutschland will ihn die Ausländerbehörde des Landkreises Dithmarschen (Schleswig-Holstein) abschieben.

Murad D. hat nur einen Wunsch: Er will mit seinen Kindern endlich die Familie leben, nach der er immer gesucht hat. Noch zu DDR-Zeiten wurde sein erster Sohn geboren – aber dem Vater wurde die Einreise in den Ostteil Berlins bis zur Wende verweigert. Von seiner Tochter erfuhr Herr D. erst spät durch das Jugendamt. Die beiden haben nur noch ihn als leiblichen Elternteil. Weitere zwei Kinder zog der Vater groß, mal in Schleswig-Holstein und mal in Berlin. Inzwischen ist Murad D. Großvater.

Jetzt soll alles vorbei sein. Der 57-Jährige Algerier sitzt seit Anfang Januar in der Berliner Abschiebungshaft. Sein Seelsorger, der Berliner Pfarrer Bernhard Fricke, ist von den engen Familienbeziehungen überzeugt: „Er weint um seine Familie. Sie ist sein Leben. Es ist nicht zu verste-hen, dass diese Familie jetzt getrennt werden soll.“

Herr D. ist in seinem Leben an viele Grenzen gestoßen. Fehlender Aufenthalt und fehlende Arbeitsmöglichkeiten haben sich gegenseitig bedingt. Häufige Krankheit in Folge eines Magengeschwürs hat zum Arbeitsverlust geführt. Die fehlende Lebensunterhaltssicherung wird ihm nun zum Vorwurf gemacht.

Fast sein halbes Leben hat Murad D. in Deutschland verbracht. Er ist gut integriert, kennt Sprache, Land und Leute sehr gut. In Schleswig-Holstein hat er Freunde und er hat einen neuen Arbeitgeber. Aus Unterstützerkreisen des faktischen Inländers verlautet, dass ihm weder Straffälligkeit noch andere schwerwiegende Verfehlungen vorgehalten werden. Dennoch hat nun auch die Härtefallkommission in Schleswig-Holstein die Eingabe von Seelsorger Bernhard Fricke abgelehnt.

„Herr D. hat unbedingt eine weitere Chance verdient. Er ist hilfsbereit, freundlich und ein Familienmensch“, sagt der Seelsorger. „Eine Abschiebung nach 27 Jahren und das Auseinanderreißen der Familie sind unmenschlich. Deshalb setzen sich jetzt auch die Flüchtlingsräte Berlin und Schleswig-Holstein für ihn ein.“

Bis zur Abschiebung bleibt nicht mehr viel Zeit. „Aber die werden wir nutzen und den Fall noch einmal rechtlich überprüfen lassen“, so Bernhard Fricke. Außerdem ist noch eine Petition im Landtag von Schleswig-Holstein anhängig. „Es steht zu Hoffen, dass diesem Gremium mehr Instinkt für das humanitär Gebotene und das Ermessensmögliche inne wohnt, als den bisher mit dem Fall befassten Stellen“, erklärt Martin Link vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.

Kontakt und Informationen:
Pfarrer Bernhard Fricke, Ev. Seelsorge in der Abschiebungshaft Berlin, Mobil: 0160/93438223,
Martin Link, Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, Tel. 0431-735 000
Vgl. auch Pressemitteilung des Flüchtlingsrats Schleswig-Holstein